Titus Brandsma

Am 15.Mai 2022 wird Papst Franziskus in Rom den Karmeliterpater und Universitätsprofessor Titus Brandsma heiligsprechen. Er wurde am 23.2.1881 als Anno Sjoerd Brandsma in Ugokloster bei Bolsward in der niederländischen Provinz Friesland geboren und starb am 26.7.1942 im KZ Dachau. Der Priester, Journalist, Esperantist und frühe Warner vor dem Nationalsozialismus wurde im November 1985 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

Titus Brandsma war Esperantist und Mitglied der Internationalen Katholischen Esperanto-Vereinigung (IKUE). Beispielsweise in den Jahren 1926, 1928, und 1931 bis 1932 erschienen sein Name und seine Adresse im Jahrbuch der katholischen Esperantisten. Brandsma leistete Pionierarbeit in der Organisation und Leitung der katholischen Journalisten und in der ökumenischen Bewegung. Bei diesen Tätigkeiten nützte er auch Esperanto.

Trotz schlechter Gesundheit war er immer gut gelaunt.

In den Niederlanden war er einer der ersten, der vor der NS-Diktatur warnte. Sowohl in Artikeln als auch bei Predigten und im Unterricht verurteilte er die Verfolgung der Juden.

Im Auftrag der Bischöfe ermutigte er nach der Besetzung der Niederlande durch Deutschland die katholischen Journalisten, NS-Propaganda in ihren Zeitungen abzulehnen.

Deshalb wurde er von der Gestapo verhaftet und am 19.6.1942 ins KZ Dachau eingeliefert. Hier musste er härteste Zwangsarbeit leisten und wurde oft ganz unwürdig und gemein misshandelt. Schon nach einem Monat war er völlig entkräftet.

Im Krankenrevier verabreichte ihm eine Krankenschwester am 26.7.1942 eine tödliche Karbolsäure-Spritze, eine Routinehandlung, welche die Schwester schon hunderte Male ausgeführt hatte. Sie sollte sich erinnern, „dass es ihr für den Rest des Tages schlecht ging“.

Die Frau, die ihm die „Gnadenspritze“ gab, bekehrte sich danach, weil sie in ihrem Innersten, ohne dass sie es wollte, von den Worten getroffen wurde, mit denen er die Misshandlungen ertrug: „Vater, nicht mein Wille geschehe, sondern der deine“. Sie berichtete, dass die Kranken sie normalerweise hassten und mit Schimpfwörtern belegten und sie diesen Hass aus vollem Herzen erwiderte. Wie geschockt war sie dagegen, als der alte Priester sie stattdessen mit dem Zartgefühl und der Achtung eines Vaters behandelte: „Einmal hielt er meine Hand fest und sagte: „Was bist du für ein armes Mädchen, ich bete für dich!“

Von seinen Folterknechten hatte Titus Brandsma immer gesagt: „Auch sie sind Kinder des lieben Gottes, und vielleicht bleibt in ihnen noch irgendetwas…“

Diese Krankenschwester erklärte beim Seligsprechungsprozess, dass das Antlitz dieses alten Priesters sich für immer in ihr Gedächtnis eingeprägt hatte, weil sie in ihm etwas gelesen hatte, das sie nie gekannt hatte. Sie sagte schlicht: „Er hatte Erbarmen mit mir!“

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