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DEUTSCH          ESPERANTO

Denkmal am Grazer Esperanto-Platz

Der Grazer Esperanto-Verein UNUECO, jetzt offiziell “Esperanto-Gesellschaft Steiermark”

Aus der Geschichte

Die erste Esperanto-Gruppe Österreichs bildete sich in der obersteirischen Stadt Leoben ab dem Jahre 1893. Der Esperanto-Verein für Steiermark mit Ortsgruppen in Graz und Leoben wurde bereits 1906 gegründet. Das Interesse war derart groß, dass es bald zur Gründung weiterer Gruppen, des Akademischen Esperanto-Vereines und des Katholischen Esperanto-Vereines Emile Peltier in der Landeshauptstadt kam. Schon ab dem Jahr 1910 erschien in Graz monatlich die „illustrierte Familien-Zeitschrift“ mit dem Namen „Marto“ zweisprachig in Esperanto und Deutsch. 1913, also noch zu Lebzeiten des Esperanto-Schöpfers Dr. Ludwig Lazarus Zamenhof, der am 14. April 1917 starb, fand in Graz der Gesamtösterreichische Esperanto-Kongress statt, bei dem Dr. Arturo Ghez aus Triest die Festrede hielt.

Nach dem ersten Weltkrieg, um das Jahr 1920, organisierten steirische Esperantisten unter Führung von Major Hackl, Karl Bartel und des Knittelfelder Rechtsanwaltes Dr. Adolf Halbedl eine bedeutsame Aktion für notleidende Kinder: Mit spontaner Hilfe spanischer Esperantisten wurden fast 500 Kinder aus ganz Österreich für ein Jahr, einige sogar für zwei oder drei Jahre, bei spanischen Familien gastlich aufgenommen. 1922 wurde der Österreichische Arbeiter-Esperantisten-Verband in Graz gegründet. In der Zwischenkriegszeit liefen in zahlreichen Bildungs- und Friedensgesellschaften und bei der Polizei zahlreiche Esperanto-Kurse und es gab viele Reisen zu ausländischen Esperantisten und einen regen Jugendaustausch. Im Jahre 1926 fand wieder ein Gesamtösterreichischer Esperanto-Kongress in Graz statt. An der Grazer Universität wirkte einer der Mitbegründer der Interlinguistik, also jenes Zweiges der Sprachwissenschaft, der sich mit dem Problem inter-ethnischer Verständigung beschäftigt, Professor Hugo Schuchardt.

Nach der Besetzung Österreichs 1938 verfolgte das Nazi-Regime auch die Esperanto-Bewegung, weil Hitler Deutsch als Weltsprache wollte und Zamenhof Jude war. Dem langjährigen Obmann des Grazer Vereines „Unueco“, Josef Eder, gelang es damals unter großem persönlichen Risiko, die reichhaltige Bibliothek des Esperanto-Vereines für Steiermark zu retten und in seiner Wohnung aufzubewahren.

Mit der Befreiung Österreichs und dem Kriegsende 1945 begann auch neues Esperanto-Leben aus den Ruinen zu blühen: Der Esperanto-Verein „Unueco“ in Graz und weitere Esperanto-Gruppen in Knittelfeld und in Leoben-Donawitz wurden bald wiedergegründet. Gäste aus Ungarn, der Schweiz, Dänemark, Frankreich und Großbritannien sowie Esperanto-Freunde aus ganz Österreich fanden sich im Jahre 1949 beim Esperanto-Kongress in Graz ein, der 330 Teilnehmer zählte. Im Rahmen dieser Veranstaltung erhielt der Platz zwischen Annenstraße und Arbeiterkammer den Namen Esperanto-Platz und die österreichische Post gab eine Esperanto-Sondermarke heraus. In den Fünfziger Jahren wurden Kurse an der Volkshochschule, an der Grazer Universität und in Räumen des Grazer Hauptbahnhofes veranstaltet. Neben Radio-Sendungen in Esperanto diente das Mitteilungsblatt „Voko el Stirio“ (Ruf aus der Steiermark), das es heute noch gibt, dem steigenden Informationsbedürfnis.

Im Herbst 1961 wurde in Graz eine Studenten-Esperanto-Gruppe gegründet, an deren Beginn ein von Dr. Klaus Perko im Katholischen Studentenhaus abgehaltener Kurs stand. Bereits ab dem Frühjahr 1962 nahmen Studenten aus dieser Gruppe auch aktiv am Vereinsleben der Grazer Unueco unter dem damaligen Obmann und Direktor der Landesbibliothek, Hofrat Dr. Karl Friedl, teil. Im Sommer 1962 fuhren die Kursteilnehmer unter Führung des späteren Universitätsprofessors für Astronomie. und Obmanns der AEF, Dr. Hans Michael Maitzen, erstmals zu einem internationalen Jugendtreffen nach Rom, an dem nur Jugendliche teilnehmen durften, die Esperanto erst ein Jahr gelernt hatten. Die eigene Anschauung der in nur so kurzer Zeit erzielten sprachlichen Kompetenz war ein entscheidender Anstoß für die Ausweitung der studentischen Esperanto-Arbeit in den folgenden Jahren mit der Gründung der Österreichischen Esperanto-Jugend AEJ 1965 in Graz. Maitzen wurde 1968 zum Vorsitzenden des Weltbundes Junger Esperantisten TEJO gewählt.

1963 wurde in Graz der 16. Kongress des Internationalen Christlichen Esperanto-Bundes abgehalten. Zugleich mit der Verschwisterung von Knittelfeld mit der japanischen Stadt Kameoka fand 1964 in der obersteirischen Stadt der Österreichische Esperanto-Kongress statt, wobei eine Kameoka-Straße und die Esperanto-Straße ihren Namen erhielten. Ostern 1964 begann in Graz eine wichtige Serie von internationalen Jugendtreffen als Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen der Esperanto-Jugend von Italien, Jugoslawien und Österreich. 1966 trafen sich Lehrer aus zehn Staaten in Graz zu einer internationalen Konferenz der Schulen, in denen die Internationale Sprache unterrichtet wird (KELI-Kongress). Beim 26. Weltkongress der Esperanto Jugend TEJO 1970 in Graz behandelten Teilnehmer aus 28 Ländern das Thema „Schule, ein Ort der Revolution?“. Bereits seit 1970 finden regelmäßig Esperanto-Vorlesungen an der Universität Graz von Hofrat Dr. Klaus Perko statt. An der Dreiländer-Esperanto-Konferenz in Graz 1979 nahmen 230 Gäste aus Jugoslawien, Italien und Österreich (der späteren Arge Alpen-Adria) teil. Hauptthema der Konferenz war grenzüberschreitender Umweltschutz.

Im Februar 1980 legte der Obmann des Grazer Vereines Unueco, Josef Eder, nach 31 Jahren im Dienste der Esperanto-Idee die Leitung des Vereines in jüngere Hände: Hofrat Dr. Klaus Perko wurde Obmann. Ihm folgte im Mai 1985 Univ.-Doz. Dr. Heinz-Paul Kovacic, der die Zeitschrift „Voko“ zu einem neuen, überregionalen Blatt umgestaltete. Derzeit ist Mag. Martin Gritsch Obmann, der in Brüssel bei der EU-Kommission als IT-Leiter im Generalsekretariat tätig ist.

Bereits 1983 wurde in Graz die 9. Internationale Konferenz der Neutralen Esperanto-Bewegung in den Räumen der Universität und des Studentenhauses veranstaltet, die der Vorbereitung des Jubiläumsjahres „100 Jahre Esperanto“ 1987 diente. Im Frühjahr 1986 wurde am Pädagogischen Institut unter Direktor Hofrat Prof. Karl Haas in Zusammenarbeit zwischen Graz und Zagreb das Projekt „Tatsachenforschung Esperanto“ durchgeführt, bei dem unter Leitung von Prof. Mag. Karl Hirmann Mittelschüler im Zeitraum von nur drei Wochenenden das internationale A-Diplom schafften und sich danach bereits gut mit ihren ausländischen Kollegen verständigen konnten. 1987 wurde anlässlich des Hundert-Jahr-Jubiläums auf dem Grazer Esperanto-Platz das Esperanto-Denkmal aufgestellt.

Klubabende

Unabhängig von Alter und Sprachkenntnissen ist jede/r Interessierte herzlich eingeladen,die Grazer Esperanto-Gruppe Unueco kennenzulernen. Klubabende finden jeden ersten Donnerstag im Monat um 19 Uhr in der Konditorei / Bäckerei Kern in der Mariatrosterstraße 93 statt. Es gibt Auto-Parkplätze vor dem Haus, Straßenbahn Linie 1 nach Mariatrost bis Kroisbach.  Angeboten werden bei Kern neben Kaffee und Getränken (auch Wein und Bier) viele Mehlspeisen, aber auch Würstel und Gulaschsuppe. Ansprechpartner für Interessenten ist Univ.-Doz. Dr. Heinz-Paul Kovacic, heinz-paul.kovacic@aon.at.

Weitere Informationen:

"Die Idee, die hinter Esperanto steckt" von Dr. K. Perko

Esperanto als Sprache des Friedens